Zum Verbot der Interkommunion

Leserbrief zu einem Beitrag über das Verbot der Interkommunion
Neue KirchenZeitung, Januar 2004

„Nehmt und esst alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hin­ge­ge­ben wird.“ Scha­de, dass sich Chri­stus beim letz­ten Abend­mahl so undeut­lich aus­drück­te. Viel­leicht könn­te die­se Stel­le bei der nächs­ten Lit­ur­gie­re­form prä­zi­ser for­mu­liert wer­den: „Das ist mein Leib, der für euch Katho­li­ken hin­ge­ge­ben wird.“ Das wür­de eine Men­ge Miss­ver­ständ­nis­se ver­mei­den.

Aber Spott bei­sei­te: Chris­tus hat die­se Ein­la­dung an alle gerich­tet – ohne jede Ein­schrän­kung. Er hat nicht ein­mal Judas, von dem er wuss­te, dass er ihn sei­nen Mör­dern aus­lie­fern wür­de, davon ausgenom­men. Und die­ser Chris­tus, der bei jeder Kom­mu­ni­on leib­haf­tig anwe­send ist, erwar­tet von uns, dass wir Mit­chris­ten, deren ein­zi­ger „Makel“ dar­in besteht, nicht katho­lisch zu sein, aus der Gemein­schaft aus­schließen? Das kann ich mir nicht vor­stel­len.

Die ein­fa­chen Wor­te, die Chris­tus beim Abend­mahl sprach, sind seit­dem von den Kir­chen inter­pre­tiert, aus­ge­legt und in theo­lo­gi­sche Leh­ren gefasst wor­den – mit unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen. So trennt zum Bei­spiel die katho­lische und luthe­ri­sche Kir­che die Fra­ge, ob bei der Wand­lung eine Trans­sub­stan­tia­ti­on oder eine Kon­sub­stan­tia­ti­on statt­fin­det. Die theo­lo­gi­schen Unter­schie­de sind mir bewusst, und ich hal­te es für falsch ver­stan­de­ne Öku­me­ne, wenn sol­che Dif­fe­ren­zen igno­riert oder „glatt­ge­re­det“ wer­den. Aber ich emp­fin­de es als eng­her­zig, wenn ein Christ, der an genau das glaubt, was Jesus gesagt hat („Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“), sich unter Beru­fung auf sol­che theo­lo­gi­sche Fein­hei­ten sagen las­sen muss: „Tut uns leid, aber die­se Ein­la­dung Chris­ti gilt nicht dich.“

Es kon­trol­liert ja auch kein Pries­ter, an was die Katho­li­ken glau­ben. Es gibt sicher nicht vie­le, die wis­sen, was mit Trans­sub­stan­tia­ti­on, Real­prä­senz, Kon­ko­mitanz, Suk­zes­si­on und „ex ope­re ope­ra­to“ (den zentra­len Punk­ten der katho­li­schen Leh­re) gemeint ist – oder deren Vor­stel­lung von Brot und Wein mit die­sen Lehr­aus­sa­gen über­ein­stimmt. Vie­le hal­ten Brot und Wein nur für ein Sym­bol, die Wand­lung nur für ein Gedächt­nis-Ritu­al. (Dage­gen ist der Unter­schied zwi­schen Trans- und Kon­sub­stan­tia­ti­on eine Lap­pa­lie!) Trotz­dem dür­fen Katho­li­ken „unge­prüft“ zur Kom­mu­ni­on gehen. Zu Recht, denn Chris­tus wand­te sich nicht spe­zi­ell an Theo­lo­gen und „Schrift­ge­lehr­te“, son­dern an alle Men­schen: „Wer zu mir kommt, den wer­de ich nicht abwei­sen.“ (Joh 6,37)

Ich den­ke, die­ses Recht kön­nen wir – ohne an den Fun­da­men­ten unser Kir­che zu rüt­teln – auch unse­ren evan­ge­li­schen Glau­bens­ge­schwis­tern zuge­ste­hen. „Oder ist einer unter euch, der sei­nem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bit­tet?“ (Mt 7,9)

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