Sacramentum Caritatis: Beten in toter Sprache

Leserbrief zum Apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“
Neue KirchenZeitung, Nr. 12/2007, Seite 2, 6 und 13

Als am Pfingst­tag die Men­schen vom Hei­li­gen Geist erfüllt wur­den, konn­te jeder sie ver­ste­hen: die Par­ther, Meder, Ela­mi­ter und wer nicht alles ... Jetzt emp­fiehlt der Papst, das Hoch­ge­bet wie­der in Latein zu hal­ten, einer toten Spra­che, die nur weni­ge Alt­sprach­ler ver­ste­hen. Die übri­gen Gläu­bi­gen sol­len „ange­lei­tet wer­den, die all­ge­meins­ten Gebe­te in Latein zu ken­nen“, sprich: aus­wen­dig zu ler­nen. „An ihnen erfüllt sich die Weis­sa­gung Jesa­jas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht ver­ste­hen.“ (Mt 13,14)

Eben­so unver­ständ­lich fin­de ich sei­nen Wunsch, „gewis­se Tei­le der Lit­ur­gie im gre­go­ria­ni­schen Stil zu sin­gen“. Ich bin zwar wie der Papst ein gro­ßer Ver­eh­rer der Gre­go­ria­nik, aber ich glau­be, der lie­be Gott hört genau­so ger­ne die gehalt­vol­len Lie­der Paul Ger­hardts, die groß­ar­ti­gen Mes­sen Bachs, die medi­ta­ti­ven Gesän­ge von Tai­zé, die emo­tio­na­len Spi­ri­tu­als, die rhyth­mi­schen Gesän­ge Afri­kas, die viel­stim­mi­gen Lie­der Süd­ame­ri­kas usw. – auch wenn der Papst nur den gre­go­ria­ni­schen Cho­ral für „den eigent­li­chen Gesang der römi­schen Lit­ur­gie“ hält. Gott schaut den Men­schen ins Herz, nicht in die Noten.

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