Gott mag Ökumene nur montags bis samstags

Leserbrief zum Beitrag „Vorabendmesse und ökumenischer Gottesdienst“
Neue KirchenZeitung, Nr. 20/2007, Seite 6

In der Rubrik „Anfrage“ ging es um das Thema öku­me­ni­sche Sonn­tags­got­tes­dienste. Autor der Anfrage war Ste­fan Alt­mann aus Darm­stadt, der mir schon öfter durch fun­da­men­ta­lis­ti­sche Leser­briefe auf­ge­fal­len ist.

In mei­ner lai­en­haf­ten Nai­vi­tät bin ich bis­her davon aus­ge­gan­gen, dass Gott sich freut, wenn Chris­ten unter­schied­li­cher Kon­fes­sion gemein­sam Got­tes­dienst fei­ern: „ein Leib und ein Geist … ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller“ (Eph 4,4). Nun lerne ich von der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, dass Gott sich nur mon­tags bis sams­tags dar­über freut. Sonn­tags ist es Gott – oder der Bischofs­konferenz – wich­ti­ger, dass wir pflicht­ge­mäß römisch-katho­lisch Got­tes­dienst fei­ern. Natür­lich ohne unsere evange­lischen Glau­bens­ge­schwis­ter.

Danach darf es, wenn’s denn sein muss, auch noch einen öku­me­ni­schen Got­tes­dienst geben. Na ja, nicht unbe­dingt… Diese Feier zum Lob Got­tes muss näm­lich „mit min­des­tens 8 Wochen Vor­lauf­zeit beim Gene­ralvikariat, Stabs­stelle für Glau­bens­fra­gen und Öku­mene, bean­tragt wer­den“, wird aber nur geneh­migt, wenn es sich z.B. um ein „außer­ge­wöhn­li­ches öku­me­ni­sches Ereig­nis“ han­delt (die Bitte um Ein­heit der Chris­ten alleine reicht nicht).

Viele Chris­ten, u.a. das Zen­tral­ko­mi­tee der Katho­li­ken, wür­den den Pfingst­mon­tag gerne als „Tag der Ein­heit der Kir­che“ bege­hen. Würde ja auch gut zum Pfingst­thema pas­sen. Der Köl­ner Erz­bi­schof Kar­di­nal Meis­ner ist aber offen­sicht­lich der Ansicht, Gott habe auch daran kein Gefal­len. Jeden­falls hat er für die­sen Tag öku­me­ni­sche Got­tes­dienste grund­sätz­lich unter­sagt. Unab­hän­gig davon, ob es vor­her katho­li­sche Eucha­ris­tie­fei­ern gibt. Und das, obwohl der Pfingst­mon­tag nicht ein­mal im Vati­kan kirch­li­cher Fei­er­tag ist! Die Ein­heit der Kir­che scheint wohl nicht sehr weit oben auf der Prio­ri­tä­ten­liste zu ste­hen.

admin 26.06.2015 Leserbriefe Keine Kommentare Kommentare RSS

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