Die allein seligmachende Kirche

Leserbrief zur Anfrage „Ist die katholische Kirche allein selig machend?“
Neue KirchenZeitung, Nr. 39/2005, Seite 6

In der Rubrik „Anfra­ge“ frag­te der Leser Rai­mund Rüt­her: „Gibt es in der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che noch immer die ver­bind­li­che Leh­re, die katho­lische Kir­che sei die allein selig machen­de Kir­che?“ Ich war über­rascht, dass die Kir­che das tat­säch­lich immer noch so lehrt – und dass Chris­ti­na Hart­mann von der Bis­tums­pres­se (die die Ant­wort schrieb) die offi­zi­el­le Leh­re mit kei­nem Satz kom­men­tier­te. Wie mag sich ein evan­ge­li­scher Christ füh­len, wenn er den Bei­trag in der Bis­tums­zei­tung liest?

Als Cypri­an von Kar­tha­go (gestor­ben 258) das Schlag­wort „extra eccle­si­am nul­la salus“ (außer­halb der Kir­che gibt es kein Heil) präg­te, war die Kir­che tat­säch­lich noch katho­li­kos, das heißt: alle betref­fend, all­ge­mein. Inzwi­schen hat sich die­se Kir­che in eine Viel­zahl Kon­fes­sio­nen auf­ge­teilt, und „katho­lisch“ ist heu­te nicht mehr ein ver­bin­den­der, son­dern ein tren­nen­der Begriff.

Es kön­nen „jene Men­schen nicht geret­tet wer­den, die um die katho­lische Kir­che und ihre ... Heilsnot­wendigkeit wis­sen, in sie aber nicht ein­tre­ten oder in ihr nicht aus­har­ren woll­ten“, heißt es in der dog­matischen Kon­sti­tu­ti­on „Lumen gen­ti­um“ (Absatz 14). Es reicht also nicht aus, ein vor­bild­lich from­mes, got­tes­fürch­ti­ges Leben zu füh­ren: Mar­tin Luther King (Angli­ka­ner), Diet­rich Bon­hoef­fer (Luthe­ra­ner) und Frè­re Roger (Refor­mier­ter) kön­nen nicht geret­tet wer­den – nur weil sie sich starr­köp­fig wei­ger­ten, der „ein­zig wah­ren Kir­che“ bei­zu­tre­ten.

Nicht­christ­li­che Gläu­bi­ge haben natür­lich über­haupt kei­ne Chan­ce. Es kann zwar das ewi­ge Heil erlan­gen, wer „das Evan­ge­li­um Chris­ti und sei­ne Kir­che ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehr­li­chem Her­zen sucht“ (LG 16), doch selbst Licht­ge­stal­ten wie Mahat­ma Gan­dhi (Hin­du), der Dalai Lama (Bud­dhist) und Mar­tin Buber (Jude) müs­sen drau­ßen blei­ben, denn sie kön­nen ja nun wirk­lich nicht behaup­ten, sie hät­ten die katho­lische Kir­che nicht gekannt.

Ich habe es geahnt: Gott ist römisch-katho­lisch! Es könn­te sich aller­dings beim Jüngs­ten Gericht heraus­stellen, dass nicht die Men­schen fest­le­gen, wer geret­tet wird, son­dern Gott selbst. Und Gott – hier wird mir auch der Vati­kan zustim­men – hat ein grö­ße­res Herz als alle Bischö­fe und Päps­te zusam­men.

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