Darf man die Hostie in den Kelch tauchen?

Leserbrief zur Anfrage „Die Hostie zur Kommunion in den Kelch tauchen?“
Neue KirchenZeitung, Nr. 40/2005, Seite 6

In der Rubrik „Anfra­ge“ schrieb Lis­beth Klin­ke aus Ober­ur­sel: „Unser frü­he­rer Pfar­rer tauch­te zur Kom­mu­ni­on die hei­li­ge Hos­tie etwas in den Kelch, so dass kein Trop­fen ver­gos­sen wur­de, und leg­te sie dem Gläu­bi­gen auf die Zun­ge. War­um wird nicht in allen Kir­chen so ver­fah­ren?“

Der Redak­teur Andre­as Hüser nann­te die­se Form der Kom­mu­ni­on „in deut­schen Kir­chen wenig ge­bräuch­lich“, aber laut „Redemp­tio­nis sacra­men­tum“ die „ein­zig erlaub­te Form des Ein­tau­chens der Hos­tie in den Wein“. Er beton­te, dass die Instruk­ti­on dem Gläu­bi­gen ver­bie­tet, selbst die Hos­tie in den Wein zu tau­chen.

Die Lit­ur­gie-Instruk­ti­on „Redemp­tio­nis sacra­men­tum“ ver­bie­tet den Gläu­bi­gen das Ein­tau­chen der Hos­tie in der Kelch. Andre­as Hüser begrün­det das mit Jesu Auf­for­de­rung: „Nehmt und trinkt alle dar­aus!“ Stimmt: Jesus spricht vom Trin­ken und nicht vom Ein­tau­chen. Aber mit die­sem Bibel­wort wider­legt Herr Hüser sich selbst, wenn er schreibt: „Es soll gewähr­leis­tet wer­den, dass die gewan­del­ten Gaben den Gläu­bi­gen tat­säch­lich gereicht wer­den. Die Kom­mu­ni­zie­ren­den dür­fen sie sich nicht selbst neh­men.“ Denn Jesus sag­te: „Nehmt und esst!“ und „Nehmt und trinkt!“ Er sprach nicht davon, dass sich die Jün­ger Brot und Kelch rei­chen las­sen sol­len.

Ich ver­se­he nicht, war­um die Kir­che den Auf­trag „Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis!“ an die­ser einen Stel­le sehr genau nimmt – im übri­gen aber von dem abweicht, was Jesus und die Jün­ger vor­ge­macht haben:

  • War­um ist es den Gläu­bi­gen ver­bo­ten, Brot und Kelch ein­an­der wei­ter­zu­rei­chen? (Redemp­tio­nis sacra­men­tum, Nr. 94) Jesus sag­te: „Nehmt den Kelch und ver­teilt ihn unter­ein­an­der!“
  • War­um ver­bie­tet die Kir­che die Eucha­ris­tie­fei­er an einem Tisch und im Kon­text eines Mahls? (Nr. 77) Jesus saß doch auch mit sei­nen Jün­gern an einem Tisch und hielt mit ihnen Mahl!
  • War­um muss der Pries­ter getrennt von den Gläu­bi­gen kom­mu­ni­zie­ren? (Nr. 97) Jesus aß und trank gemein­sam mit sei­nen Jün­gern!
  • War­um ver­langt die Kir­che zwin­gend Hos­ti­en aus rei­nem Wei­zen­mehl? (Nr. 48) Die Evan­ge­lis­ten spre­chen nur von „Brot“!
  • War­um ver­bie­tet die Kir­che die Ver­wen­dung von Trau­ben­saft? (Nr. 50) Die Evan­ge­lis­ten spre­chen nur vom „Kelch“ und von der „Frucht des Wein­stocks“!
  • War­um regelt die Kir­che detail­liert, wer von der Kom­mu­ni­on aus­ge­schlos­sen ist? (Nr. 81, 83–85, 87, 100–102, 165, Can 945 CIC) Jesus lud sogar den Ver­rä­ter Judas ein: „Trinkt alle dar­aus!“

„Damit wir in allen Stü­cken sicher gehen, müs­sen wir immer fest­hal­ten: das, was unse­ren Augen weiß erscheint, sei schwarz, sobald die hier­ar­chi­sche Kir­che dies so ent­schei­det.“ (Igna­ti­us von Loyo­la, Grün­der des Jesui­ten­or­dens)

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