Bischof Müller – eine Chronik

Denn ein Bischof muss unbe­schol­ten sein,
weil er das Haus Got­tes ver­wal­tet; er darf
nicht über­heb­lich und jäh­zor­nig sein. (Tit 1,7)

„An ihren Früch­ten sollt ihr sie erken­nen“ emp­fiehlt die Bibel (Mt 7,16). Weil mir die vie­len Mel­dun­gen und Berichte über Bischof Mül­ler im Laufe der Zeit zu unüber­sicht­lich wur­den, habe ich seine „Früchte“ chro­no­lo­gi­sch geord­net.

 

          2002

1. Okto­ber 2002: Ger­hard Lud­wig Mül­ler wird von Papst Johan­nes Paul II. zum Bischof von Regens­burg ernannt.

          2003

Januar 2003: Bischof Mül­ler ver­bie­tet dem alt­ka­tho­li­schen Pfar­rer Ralf Stay­mann, bei einem öku­me­ni­schen Got­tes­dienst in der Dom­pfarr­kir­che zu pre­di­gen. Die Absicht des Öku­me­ne­krei­ses, den frü­her römi­sch-katho­li­schen (und inzwi­schen ver­hei­ra­te­ten) Pfar­rer Stay­mann pre­di­gen zu las­sen, sei „eine die Öku­mene belas­tende Grenz­über­schrei­tung“.

31. März 2003: Bischof Mül­ler ent­lässt den Deka­nats­rats­vor­sit­zen­den Prof. Dr. Johan­nes Grab­meier wegen sei­nes Enga­ge­ments für die Ver­ei­ni­gung „Wir sind Kir­che“.

1. Juli 2003: Bischof Mül­ler kün­digt der alt­ka­tho­li­schen Gemeinde Regens­burg die Nut­zung der Kapelle Mariä Schnee, wo sie auf Ein­la­dung des Regens­bur­ger Bischofs Rudolf Gra­ber seit 1964 die Eucha­ris­tie fei­erte. Die Kün­di­gung erfolgt laut Bis­tums­spre­cher Philip Hockerts, „weil es nicht angeht, dass ein aus der katho­li­schen Kir­che aus­ge­tre­te­ner Pfar­rer an einem Altar einer katho­li­schen Kir­che zu zele­brie­ren vor­gibt.“

4. Juli 2003: Bischof Mül­ler schickt den Pfar­rer Sieg­fried Fel­ber in den vor­zei­ti­gen Ruhe­stand. Grund ist seine Mit­ar­beit bei „Pipe­line“, dem Mit­tei­lungs­blatt des Akti­ons­krei­ses Regens­burg (Auf­lage: 600).

11. Novem­ber 2003: Bischof Mül­ler ver­fügt per Dekret, dass Katho­li­ken sei­nes Bis­tums in kirch­li­chen Ange­le­gen­hei­ten keine welt­li­che Gerichte anru­fen dür­fen.

          2004

31. Mai 2004: Bischof Mül­ler wirft den Pries­tern Andreas Schla­gen­hau­fer und Hans Trimpl „Agi­ta­tio­nen schlim­mer als die sei­ner­zei­ti­gen Nazi-Aktio­nen“ vor.

20. Juni 2004: Bischof Mül­ler wirft Schla­gen­hau­fer und Trimpl in einer Pre­digt vor, sie ver­stün­den nichts von der Hei­li­gen Schrift, sie seien keine wah­ren Hir­ten, son­dern Heuch­ler und Pha­ri­säer, denen nichts an ihren Scha­fen liegt. Ihr Ziel sei es, ihre eige­nen ver­quol­le­nen Ideen in der Kir­che zur Herr­schaft zu brin­gen.

Juli 2004: Bischof Mül­ler (Vor­sit­zen­der der Öku­mene-Kom­mis­sion der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz) ver­bie­tet den tra­di­tio­nel­len öku­me­ni­schen Got­tes­dienst zum Beginn des Markt- und Bür­ger­fes­tes in Kohl­berg.

23. Juli 2004: Bischof Mül­ler sus­pen­diert Pfar­rer Hans Trimpl vom Pfarr­dienst. Der Grund: Trimpl wollte dem Bischof gericht­lich ver­bie­ten las­sen, ihn öffent­lich als „Heuch­ler“, „Pha­ri­säer“ oder „Wolf im Schafs­pelz“ zu bezeich­nen.

30. Juli 2004: Bischof Mül­ler droht Pfar­rer Trimpl mit der Ent­las­sung aus dem Kle­ri­ker­stand wegen sei­nes „Miss­brauchs des Pries­ter­am­tes zur Demons­tra­tion sei­nes Unge­hor­sams und der Instru­men­ta­li­sie­rung der Sakra­mente“.

Okto­ber 2004: Bischof Mül­ler ent­zieht dem Theo­lo­gie­pro­fes­sor Dr. August Jilek, der sich theo­lo­gi­sch-juris­ti­sch für Pfar­rer Hans Trimpl ein­ge­setzt hatte, die kirch­li­che Lehr­be­fug­nis. Drei Monate spä­ter erteilt er Jilek, der auch als Kir­chen­mu­si­ker und Lei­ter des Kin­der- und Kir­chen­cho­res tätig ist, „ein Auf­tritts­ver­bot in allen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen und Räu­men der Diö­zese Regens­burg“. Die Aus­übung sei­nes Diens­tes als stän­di­ger Dia­kon wird unter­sagt.

          2005

19. Januar 2005: Das Bis­tum Regens­burg ver­bie­tet Kle­ri­kern, pas­to­ra­len Mit­ar­bei­tern, Reli­gi­ons­leh­rern und kirch­li­chen Ange­stell­ten, an Ver­an­stal­tun­gen des „Auf­hau­se­ner Insti­tuts für Pas­to­ral­Li­t­ur­gik (A.I.P.L) e.V.“ teil­zu­neh­men. (Vor­sit­zen­der des Ver­eins ist Prof. Dr. August Jilek.) Das Ver­bot gilt aus­drück­lich auch für katho­li­sche Laien (!), die im Bis­tum Regens­burg ehren­amt­lich tätig sind oder sein wol­len.

8. April 2005: Bischof Mül­ler ent­zieht dem Reli­gi­ons­leh­rer Paul Wink­ler die Mis­sio Cano­nica (Vor­aus­set­zung für den kirch­li­chen Reli­gi­ons­un­ter­richt). Begrün­dung: Die Mit­glied­schaft in der Bewe­gung „Wir sind Kir­che“ und gleich­zei­tig die Ertei­lung des Reli­gi­ons­un­ter­richts im Auf­trag des Bischofs seien nicht ver­ein­bar.

August 2005: Bischof Mül­ler kürzt Pfar­rer i.R. Sieg­fried Fel­ber (siehe Ein­trag zum 4. Juli 2003) die Ruhe­stands­be­züge um 600 Euro, weil er ohne Erlaub­nis des Ordi­na­ri­ats im Anschluss an eine öku­me­ni­sche Trau­ung eine Hei­lige Messe fei­erte.

Novem­ber 2005: Bischof Mül­ler schafft in sei­nem Bis­tum den von Laien gewähl­ten Diö­ze­san­rat ab und ersetzt ihn durch einen Diö­ze­san­pas­to­ral­rat, des­sen Mit­glie­der von ihm selbst beru­fen wer­den. Gemäß den neuen Sat­zun­gen ist nun der Pfar­rer Vor­sit­zen­der des Pfarr­ge­mein­de­ra­tes (bis­her wurde der Vor­sit­zende vom Gre­mium gewählt); der PGR hat nur noch bera­tende Funk­tion.

Dezem­ber 2005: Der Strau­bin­ger Schul­amts­di­rek­tor Willi Goetz wurde nach fast zehn Jah­ren als Ver­bin­dungs­mann zwi­schen den 140 katho­li­schen Reli­gi­ons­leh­rern in Stadt, Land­kreis und dem Bis­tum von Bischof Mül­ler von sei­nem Pos­ten ent­ho­ben. Er hatte in einem Brief an den Bischof von einem Klima der Ver­un­si­che­rung im Bis­tum Regens­burg geschrie­ben.

Dezem­ber 2005: Bischof Mül­ler ver­wei­gert der Mit­tel­baye­ri­schen Zei­tung die tra­di­tio­nelle Weih­nachts­bot­schaft an die Leser. Damit reagiert er auf die kri­ti­sche Bericht­erstat­tung der MZ über ihn.

          2006

2006 und 2007: Wegen der Kri­tik des Prä­si­den­ten des Zen­tral­ko­mi­tee der Katho­li­ken Hans-Joa­chim Meyer an der Neu­ord­nung der Lai­en­räte (siehe Ein­trag zum Novem­ber 2005) ver­wei­gert Bischof Mül­ler die Zuschüsse an das ZdK.

Novem­ber 2006: Das Bis­tum Regens­burg ent­zieht Fritz Wall­ner (bis zur Auf­lö­sung des Diö­ze­san­rats des­sen Vor­sit­zen­der) wegen sei­ner Kri­tik an der Regens­bur­ger Räte­re­form und sei­ner Nähe zur Lai­en­or­ga­ni­sa­tion „Wir sind Kir­che“ das pas­sive Wahl­recht für die Kir­chen­ver­wal­tungs­wahl, „da er im offe­nen Gegen­satz zu den Grund­sät­zen der römi­sch-katho­li­schen Kir­che steht“.

Nach­trag: Am 8. Okto­ber 2012 ist er von Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck für sein „viel­fäl­ti­ges Enga­ge­ment in der Kir­che“ mit der Bun­des­ver­dienst­me­daille aus­ge­zeich­net wor­den. Fritz Wall­ner. Nicht Bischof Mül­ler.

          2007

März 2007: Das Bis­tum Regens­burg erwirkt eine Einst­wei­lige Ver­fü­gung gegen den Blog­ger Ste­fan Aigner (regensburg-digital.de), weil er die Zah­lung des Bis­tums an ein zwölf­jäh­res Miss­brauchsop­fer, bei der das Bis­tum mit den Eltern ver­trag­lich Still­schwei­gen ver­ein­barte, als „Schwei­ge­geld“ bezeich­nete. (Dage­gen darf Spie­gel-Online ihren Bei­trag zum glei­chen Thema wei­ter­hin unbe­an­stan­det mit „Schwei­gen gegen Geld“ über­schrei­ben: www.spiegel.de/spiegel/print/d-52985276.html)

Okto­ber 2007: Bischof Mül­ler lehnt nach dem Miss­brauchs­fall in Riekofen eine Ent­schul­di­gung ab. „So weit ich das nach­ver­fol­gen kann, haben alle ab 1999 das getan, was men­schen­mög­lich war.“ Dage­gen wurde Bischof Mül­ler auf der Herbst­kon­fe­renz der deut­schen Bischöfe im Sep­tem­ber 2007 von sei­nen Kol­le­gen scharf kri­ti­siert, weil er gegen die Leit­li­nien der katho­li­schen Kir­che zum Vor­ge­hen bei sexu­el­lem Miss­brauch ver­sto­ßen habe.

2007: Seit die Fami­lie Trei­mer den sexu­el­len Miss­brauch der bei­den Söhne durch Kaplan Peter K. (1999 wäh­rend sei­ner Tätig­keit in Viecht­ach) an die Öffent­lich­keit brachte und mit dazu bei­trug, dass wei­tere Miss­brauchs­fälle durch den Geist­li­chen in Riekofen bekannt wur­den, ver­wei­gert die Diö­zese der Fami­lie die Über­nahme von The­ra­pie­kos­ten.

          2008

18. Februar 2008: Bischof Mül­ler greift Erz­bi­schof Robert Zol­lit­sch, der an die­sem Tag Vor­sit­zen­der der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz gewor­den ist, wegen sei­ner Äuße­run­gen zum Zöli­bat hart an.

25. Mai 2008: Bischof Mül­ler behaup­tet in einer Pre­digt wahr­heits­wid­rig, der Sozi­al­wis­sen­schaft­ler und Schrift­stel­ler Dr. Schmidt-Salo­mon würde Kinds­tö­tung befür­wor­ten und ver­glich des­sen Denk­an­satz mit dem der Nazi-Dik­ta­tur.

31. Dezem­ber 2008: Bischof Mül­ler atta­ckiert in der Sil­ves­ter­pre­digt die Medien wegen ihrer angeb­li­chen „anti­ka­tho­li­sche Hetze“ im Zusam­men­hang mit dem Miss­brauchsskan­dal: „Affen­tanz“, „aus­ge­kochte Soße“, „hoch­ge­zo­gene Geschicht­chen dümm­lichs­ter Mach­art“, „anti­ka­tho­li­sche Front­stel­lung“, „gna­den­lose Dumm­heit“, „Kampf­weise von Waden­bei­ßern“, „rein­ste Lüge“, „sinn­lo­ses Geschwätz“, „infame Lügen­mus­ter“.

          2009

Februar 2009: Bischof Mül­ler ver­langt von der Kir­chen­recht­le­rin Prof. Dr. Sabine Demel, dem Pas­to­ral­theo­lo­gen Prof. Dr. Heinz-Gün­ther Schött­ler und dem Reli­gi­ons­päd­ago­gen Prof. Dr. Bur­kard Por­zelt, ihre Unter­schrift unter der Peti­tion Vati­ca­num 2 zurück­zu­zie­hen, sich schrift­lich bei Papst Bene­dikt XVI. zu ent­schul­di­gen und vor ihm (Bischof Mül­ler) das Glau­bens­be­kennt­nis sowie einen Treue­eid abzu­le­gen.

Februar 2009: Auf der Inter­net­seite des Bis­tums Regens­burg wird Kar­di­nal Karl Leh­mann wegen sei­ner papst­kri­ti­schen Posi­tion scharf ange­grif­fen. Der Text beschimpft den frü­he­ren Vor­sit­zen­den der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz als „Kar­ne­va­lis­ten“, der die kirch­li­che Lehre über das Pap­st­amt nicht kapiert habe. Nach Dar­stel­lung des Köl­ner Stadt­an­zei­gers steht dahin­ter der ehe­ma­lige Leh­mann-Schü­ler Bischof Mül­ler.

Dezem­ber 2009: Bischof Mül­ler bezeich­net die wie­der­holte Kri­tik des Zen­tral­rats der Juden an Papst Bene­dikt (im Zusam­men­hang mit dem Holo­caust-Leug­ner Bischof Wil­liam) als „sprach­li­che Ent­glei­sun­gen“ und „unqua­li­fi­zierte Äuße­run­gen, ja Has­s­aus­brü­che jen­seits aller Ver­nunft und der natür­li­chen Sym­pa­thie, die zwi­schen Men­schen guten Wil­lens und gemein­sa­men Grund­über­zeu­gun­gen nicht akzep­tiert wer­den“.

          2010

März 2010: Bischof Mül­ler kri­ti­si­siert in einer Pre­digt erneut die Medien, wobei er Par­al­le­len zur NS-Zeit zieht. Er erin­nerte an die chris­ten­tums­feind­li­che Ideo­lo­gie der Nazis: „Auch jetzt erle­ben wir eine Kam­pa­gne gegen die Kir­che.“ Es komme dar­auf an, „nicht auf all diese Schal­meien wie 1941 her­ein­zu­fal­len, so auch heute nicht.“ Der Bischof bat die Katho­li­ken, der Kir­che treu zu blei­ben, „so wie auch damals die Katho­li­ken und Katho­li­kin­nen treu gewe­sen sind“. Kuri­en­kar­di­nal Kas­par dis­tan­zierte sich öffent­lich von die­sen Äuße­run­gen.

März 2010: Bischof Mül­ler sagt in einem Inter­view über Minis­te­rin Sabine Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger: „Unsere Jus­tiz­mi­nis­te­rin gehört zur Huma­nis­ti­schen Union, sozu­sa­gen zur Frei­mau­re­rei. (…) Für die­sen Ver­ein stellt die Pädo­phi­lie eine nor­male Rea­li­tät dar. Sie wol­len die Pädo­phi­lie ent­kri­mi­na­li­sie­ren“. Am 13. April 2011 unter­sagt das Land­ge­richt Ber­lin dem Bischof sol­che Behaup­tun­gen.

          2011

24. Februar 2011: Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof urteilt, dass die Behaup­tun­gen des Bischofs über Dr. Schmidt-Salo­mon (siehe Ein­trag zum 25.05.2008) unwahr seien. Er habe seine „Pflicht zur Sorg­falt, Sach­lich­keit und Wahr­haf­tig­keit nicht erfüllt“ und den ver­leum­de­ten Schmidt-Salo­mon in sei­nem „Per­sön­lich­keits­recht ver­letzt“.

April 2011: Bischof Mül­ler for­dert in einem Inter­view, die Pro­tes­tan­ten soll­ten sich von der Behaup­tung Luthers dis­tan­zie­ren, dass „der Papst der Anti­christ“ sei. Mit die­sen Wor­ten „sollte die katho­li­sche Kir­che in ihrem sakra­men­ta­len Selbst­ver­ständ­nis getrof­fen sein. Das kann man nicht als zeit­be­dingte Pole­mik abtun“.

Mai 2011: Bischof Mül­ler ver­bie­tet, Hans Maier (ehem. Poli­tik­pro­fes­sor, baye­ri­scher Kul­tus­mi­nis­ter, Mit­her­aus­ge­ber der katho­li­schen Wochen­zei­tung „Rhei­ni­scher Mer­kur“ und Prä­si­dent des ZdK) kirch­li­che Räume in sei­nem Bis­tum zur Ver­fü­gung zu stel­len, um dort die zu sei­nem 80. Geburts­tag erschei­nen­den Memoi­ren vor­zu­stel­len. Grund ist Mai­ers Ein­satz für den von Katho­li­ken gegrün­de­ten Schwan­ger­schafts­be­ra­tungs-Ver­ein Donum Vitae.

Mai 2011: Bischof Mül­ler geht im Recht­streit mit dem Autor Michael Schmidt-Salo­mon (siehe Ein­trag vom 24.02.2011) in Revi­sion. Er beruft sich bei den vom Gericht als unwahr bezeich­ne­ten Behaup­tun­gen auf das Ver­kün­di­gungs­recht und die Mei­nungs­frei­heit (die er dem Blog­ger Ste­fan Aigner aber nicht zuge­steht – siehe Ein­trag zum März 2007).

11. Mai 2011: Bischof Mül­ler wirft dem CDU-Polit­ker Hei­ner Geiß­ler wegen des­sen Kri­tik an Papst Johan­nes Paul II. eine „revo­lu­tio­näre und oft nur hys­te­ri­sche Kampf­rhe­to­rik“ vor. Geiß­ler hatte gemein­sam mit 350 Unter­zeich­nern eines öku­me­ni­schen Auf­ru­fes gefor­dert, den ver­stor­be­nen Erz­bi­schof von San Sal­va­dor, Oscar Romero, hei­lig zu spre­chen.

8. August 2011: Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt weist die Beschwerde Bischof Mül­lers gegen das Urteil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts zurück (siehe Ein­träge vom 24. Februar und Mai 2011). Begrün­dung: „Die reli­giöse Äuße­rungs­frei­heit genießt, auch soweit es um eine Pre­digt geht, kei­nen abso­lu­ten Vor­rang vor den Belan­gen des Per­sön­lich­keits- und Ehren­schut­zes.“

18. Okto­ber 2011: Das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat in zwei­ter Instanz die Klage des Bis­tums gegen www.regensburg-digital.de und sei­nen Her­aus­ge­ber Ste­fan Aigner (siehe Ein­trag vom März 2007) abge­wie­sen. Die For­mu­lie­run­gen von Ste­fan Aigner seien in vol­lem Umfang von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt, so die OLG-Pres­se­stelle. Die Diö­zese Regens­burg muss die Kos­ten von Abmah­nung, einst­wei­li­ger Ver­fü­gung sowie der I. und II. Instanz tra­gen.

Novem­ber 2011: In einem Inter­view mit der Pas­sauer Neuen Presse bezeich­net Bischof Mül­ler die Lai­en­or­ga­ni­sa­tion Wir sind Kir­che als „sek­tie­re­ri­sches Grüpp­chen“, „Extre­mis­ten“ und „Ver­bün­dete zur Schwä­chung der Katho­li­schen Kir­che“, die den von Chris­tus vor­ge­schrie­be­nen Weg zur grö­ße­ren Ein­heit im Glau­ben blo­ckie­ren“ und „sich am Wil­len Christi ver­sün­di­gen“. Eine Inter­net­seite des Bis­tums nennt sie „kir­chen­feind­li­che Kampf­gruppe“ und wirft ihr „Schein­hei­lig­keit als Instru­ment im Kampf gegen die Kir­che“ vor.

          2012

6. Februar 2012: Bischof Mül­ler bezeich­net in einer Pre­digt die öster­rei­chi­sche Pfar­rer-Initia­tive als „ganz und gar unchrist­lich und unse­rem katho­li­schen Glau­ben dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt“ und wirft ihr „Bes­ser­wis­se­rei“ vor. Die Pries­ter und Dia­kone, die die Initia­tive unter­stüt­zen, schlü­gen „ihre Wei­he­ver­spre­chen in den Wind“. Die­ser „Unge­hor­sam gegen Gott“ sei „ein Übel, das Spal­tung in die Kir­che hin­ein­trägt und unser Grund­ver­hält­nis zu Gott ver­fälscht“.

2. Juli 2012: Papst Bene­dikt XVI. ernennt Bischof Mül­ler zum Prä­fek­ten der Kon­gre­ga­tion für die Glau­bens­lehre (Bezeich­nung bis 1908: „Kon­gre­ga­tion der römi­schen und all­ge­mei­nen Inqui­si­tion“) sowie zum Prä­si­den­ten der Päpst­li­chen Kom­mis­sion Eccle­sia Dei, der Päpst­li­chen Bibel­kom­mis­sion und der Inter­na­tio­na­len Theo­lo­gen­kom­mis­sion. Damit wird er zu einem der mäch­tigs­ten Män­ner der katho­li­schen Kir­che.

Januar 2013: Bischof Mül­ler kri­ti­siert in einem Inter­view mit der WELT „gezielte Dis­kre­di­tie­rungs-Kam­pa­gnen gegen die katho­li­sche Kir­che“. „Hier wächst eine künst­lich erzeugte Wut, die gele­gent­lich schon heute an eine Pogrom­stim­mung erin­nert“. Es wür­den „Atta­cken gegen die katho­li­sche Kir­che gerit­ten, deren Rüst­zeug zurück­geht auf den Kampf der tota­li­tä­ren Ideo­lo­gien gegen das Chris­ten­tum“.

 

Des­halb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein,
(…) nüch­tern, beson­nen, von wür­di­ger Hal­tung,
gast­freund­lich, fähig zu leh­ren (1 Tim 3,2)

 

Ich ver­zichte hier auf Links zu mei­nen Quel­len. Sie sind leicht mit einer Such­ma­schine zu fin­den (z.B. beim letz­ten Ein­trag mit den Such­be­grif­fen Bischof Mül­ler und Pro­grom­stim­mung). Vie­les ist auch auf Wiki­pe­dia beschrie­ben (dort auch mit Quel­len­an­ga­ben). Ich bin aber gege­be­nen­falls bereit, Belege für ein­zelne Punkte nach­zu­lie­fern.

Sehr viele Quel­len­an­ga­ben und wei­ter­füh­rende Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf den Sei­ten des Akti­ons­krei­ses Regens­burg: http://www.akr-regensburg.de/konflikte/index.htm

Detail­lierte Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum Umgang des Bischofs spe­zi­ell mit Prof. Jilek und den Pfar­rern Fel­ber, Schla­gen­hau­fer und Trimpl fin­den Sie hier: http://www.os-liturgie.de/shop/onlinepubli/zurueckteileins/infocompact1.htm

 

Nach­trag: Im Juni 2011 schickte ich dem Pres­se­spre­cher des Bis­tums Regens­burg diese Liste (dama­li­ger Stand) mit der Bitte um einen Hin­weis, falls sie Feh­ler ent­halte. Er ant­wor­tete mir:

Sehr geehr­ter Herr Kegebein.

Herz­li­chen Dank für Ihre Anfrage. Kei­ner der von Ihnen genann­ten
Punkte gibt die Wirk­lich­keit des tat­säch­lich Gesche­he­nen wie­der.
Eine sind grob fal­sch und müs­sen wohl als Lügen bezeich­net wer­den.
Das alles rich­tig zu stel­len, ver­langte ein Buch. Rufen Sie mich
gerne an, wenn Sie ernst­haft an der Kir­che inter­es­siert sind.
Meine Kon­takt­da­ten fin­den Sie wei­ter unten.

Ihnen noch einen geseg­ne­ten Tag
Gruß
Cle­mens Neck
Lei­ter der Presse- und Medi­en­ab­tei­lung im Bis­tum Regens­burg


Gibt wirk­lich kei­ner der genann­ten Punkte „die Wirk­lich­keit des tat­säch­lich Gesche­he­nen wie­der“? Lei­der hat sich Herr Neck nicht die Mühe gemacht, auch nur einen ein­zi­gen Punkt rich­tig zu stel­len …

 

admin 26. Juni 2011 4 Kommentare Comments RSS

4 Kommentare zu “Bischof Müller – eine Chronik”

  1. Birgitam 3. Dezember 2011 um 18:29 Link zum Kommentar

    Danke für deine erhel­lende Recher­che!

  2. Andreasam 21. Dezember 2011 um 20:22 Link zum Kommentar

    Danke für die Zusam­men­stel­lung. Ich bin schon lange ein „Fan“ von Mül­ler – aber das es so schlimm ist, hatte ich auch nicht in Gänze gewusst. Man stelle sich vor, die­ser Men­sch würde mal Vor­sit­zen­der der dt. Bischof­kon­fe­renz! Wenn ich katho­li­sch wäre, dann würde ich des­we­gen vielleicht/wahrscheinlich kon­ver­tie­ren. Nun bin ich aber evan­ge­li­sch – aber mei­nen katho­li­schen Brü­dern und Schwes­tern sehr ver­bun­den. Als ich damals von der Ernen­nung Mül­lers zum Öku­me­ne­bi­schof hört – da wußte ich nicht, ob ich jetzt lachen oder wei­nen soll… (nach eini­gen Jah­ren defi­ni­tiv: Wei­nen!).
    Zum Schrei­ben von Herrn Neck gibt es wohl nur ein Wort: Frech­heit. Viel­leicht sollte er dar­über nach­den­ken, ob er ernst­haft an den Men­schen in sei­ner Kir­che inter­es­siert ist…

  3. Noswitz Karlam 31. August 2012 um 19:56 Link zum Kommentar

    Ein fähi­ger Mann! Für gläu­bige Men­schen ohne Hin­ter­halt ein Segen! Den unred­li­chen ein Dorn im Flei­sch, ver­haßt, so wie Chris­tus der Eck­stein hätte ver­wor­fen sein sol­len, so wie sie schrien: „Ans Kreuz mit ihm“. Einer der ganz weni­gen authen­ti­schen. Danke für die Chro­no­lo­gie im Sinne der Evan­ge­lien.

  4. adminam 1. September 2012 um 23:37 Link zum Kommentar

    Hallo Herr Nos­witz!
    Bischof Mül­ler „ein fähi­ger Mann“? „Authen­ti­sch“?
    Bischof Mül­ler hat vor Gericht durch­zu­set­zen ver­sucht, von der Kan­zel lügen zu dür­fen (siehe Ein­trag vom Mai 2011) – in der Pre­digt, bei der es sich nach katho­li­schem Ver­ständ­nis um die Aus­le­gung des Wort Got­tes han­delt? Viel­leicht kön­nen Sie in ein paar Sät­zen erklä­ren, was das mit „authen­ti­sch“ zu tun hat. Und was daran „im Sinne der Evan­ge­lien“ ist. Vie­len Dank im Vor­aus.

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